Wie konnte es soweit kommen?

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Entwicklung des Kunststoffes - Wie konnte es soweit kommen?

Holz quillt auf, wenn es nass wird und verändert zudem schnell seine Farbe, Porzellan ist teuer und zerbrechlich und Stahl ist schwer, sowie anfällig für Rost.

Plastik hingegen kann zur Reinigung sogar ausgekocht werden, ist leicht, unempfindlich, schön. Sollte es doch kaputt gehen, ist dies nicht sonderlich dramatisch, denn dieses Material ist so billig, dass der Verlust selten schmerzt. Man kann sich die Produkte wie Teller oder Tassen ganz einfach und schnell nachkaufen, meist in einem neuen Design und gleich als ganzes Set. Der auf dem bekannten Schlager basierenden Werbesong von Tupperware: „I got that feeling all over me to stay.“ brachte in den 50er Jahren das Geschirr aus Plastik direkt zu dem Kunden nach Hause. Noch in den 90er Jahren fand weltweit alle 2,5 Sekunden eine Tuppervorführung statt und somit gab es kaum noch Lebensmittel welche von Plastik unberührt blieben.(vgl. Boote; Pretting 2014, S.27)

Im Jahr 1960 wurden in den USA lediglich ein Zehntel des amerikanischen Kunststoffaufkommens für die Verpackungsindustrie verwendet. Nur sechs Jahre später wurden 1,3 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik in den Abfall geworfen. Anfang 1970 wurden dann bereits ein Viertel der amerikanischen Kunststoff- produktion für Wegwerfverfpackungen verwendet. Heute werden ein Drittel des gesamten produzierten Plastiks weltweit für Verpackungsmaterial eingesetzt.(vgl. ebd., S.29)

Seit den 1930er Jahren hat die Industrie geforscht und getüftelt, um ein Produkt haltbar und unzerstörbar zu modifizieren. Aus diesem Grund war es anfangs für die Verbraucher nicht selbstverständlich, dieses Produkt schnell und gedankenlos wegzuwerfen. Daraufhin wurde bei der jährlichen Konferenz der amerikanischen „Society of the plastic Industry“ die Lösung ausgegeben, dass der Konsument von der Entbehrlichkeit des Materials überzeugt werden muss.

Eine Umerziehung der Bevölkerung war angesagt, und die Industrie machte es sich zur Aufgabe den natürlichen Impuls, Dinge zu achten und sie mehrmals zu verwenden, auszuschalten, was ihr auch mit großem Erfolg gelungen ist. Der Großteil der Verbraucher arrangierte sich mit dem billigen Verpackungsmaterial und suchte deren Heil bei der gewissenhaften Mülltrennung. (vgl.ebd.).

Das Wundermaterial Plastik sträubt sich dagegen, repariert zu werden. Im Jahr 1946 verkündete der Präsident des Lobbyverbandes der Plastikhersteller der Society of the Plastics Industry während der Eröffnung der ersten „National Plastics Exposition“, dass Plastik von wirklich rein gar nichts gestoppt werden kann.(vgl.ebd., S.47).


Seine Worte erweisen sich bis heute als wahr. Auf dieser Ausstellung durften Besucher ausgesuchte Prototypen von PVC-Sätteln, Spielzeuge, Plastikfliesen, Druckknöpfe, PVC gefertigte Hutschachteln und vieles mehr bestaunen und bekamen einen Vorgeschmack darauf, in welcher Komplettheit Kunststoff in kürzester Zeit alle Lebensbereiche durchdringen würde

Start today - Don't use any plastic!

Wie voraus gesagt begleitet Plastik die Menschheit in jeder Lebenssituation, in Form von Spielzeug, Möbel, Verpackungsmaterial unserer Nahrung oder „single use Produkte“ wie Plastikbesteck oder Einwegrasierer. Aus diesem Grund wurde schon zeitnah zum Boom das Aufkommen von nützlichen Einwegverpackungen aus Plastik für Nahrungsmittel und Getränke in der Stadt Madison verboten. Sie setzten sich zum Ziel, jede Mehrwegverpackung mit einem Dollar Pfand zu belegen. Dies wurde schnell für einen Witz gehalten und sie sanken daraufhin den Pfand daraufhin auf fünfzehn Cent. 1971 wollte New York auf jedes Einweggebinde aus Plastik zwei Cent Steuer erheben. Der Interessenverband kämpfte sechs Monate lang gegen diese Verordnung, bis es ihnen schließlich gelang, den Vorschlag als diskriminierend und somit als verfassungswidrig zu erklären. Die Argumentation der Plastiklobby war damals, dass an der Umweltverschmutzung nicht das Plastik Schuld sei, sondern die Menschen die es verwenden und im Anschluss nicht korrekt entsorgen. Diese Argumentation wurde bis heute nicht zurückgezogen. (vgl. ebd. S.31).


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Development of the plastic - How could it come this far?


Wood swells when it gets wet, porcelain is expensive and fragile and steel is heavy, as well as prone to rust. Plastic, on the other hand, can even be boiled dry for cleaning. Plastic is light, insensitive, beautiful. Should it break, it is not very dramatic, because this material is so cheap. You can easily and quickly buy the products like plates or cups, usually in a new design and as a whole set. Based on the well-known hit song, the Tupperware's slogan "I got that feeling all over me to stay." brought the plastic dishes directly to the customer's home in the 1950s. Even in the 90s, a Tupper demonstration took place every 2.5 seconds worldwide, so there were hardly any foods left untouched by plastic. (vgl. Boote; Pretting 2014, S.27)

#beaoceanfighter

In 1960, only one-tenth of the US plastic output was used for the packaging industry in the US. Only six years later, 1.3 million tons of plastic packaging waste were thrown. At the beginning of 1970, a quarter of American plastic production was already used away for disposable packaging. Today, one third of the total plastic produced is used worldwide for packaging materials. (vgl. ebd., S.29)

Since the 1930s, the industry has been researching and tweaking to modify a durable and indestructible product. For this reason, it was not natural for consumers to throw away this product quickly and thoughtlessly. As a result, at the annual conference of the American "Society of the Plastic Industry" the solution was given that the consumer must be convinced of the dispensability of the material. A re-education of the population was called, and the industry made itself the task to eliminate the natural impulse to respect things and to use them several times, which they worked out with great success. The majority of consumers arranged with the cheap packaging material and sought their salvation in the conscientious waste separation. (Vgl.ebd.)


The miracle material plastic refuses to be repaired. In 1946, during the inauguration of the first National Plastics Exposition, the President of the Association of Plastic Manufacturers of the Society of the Plastics Industry proclaimed that plastic can not be stopped by anything at all. (vgl.ebd., S.47). His words are true to this day.



At this exhibition, visitors were able to marvel at selected prototypes of PVC saddles, toys, plastic tiles, push buttons, PVC-made hat boxes and much more, and got a foretaste of the degree of completeness in which plastic would penetrate all areas of life in no time at all. As we have said before, plastic accompanies us in every situation of life, in the form of toys, furniture, our food packaging materials or "single use products" such as plastic cutlery or disposable razors. As a result, early in the boom, the emergence of useful disposable plastic and food packaging in Madison was banned. They set themselves the goal of securing every returnable packaging with a dollar pledge. This was quickly considered a joke and then they cowered the pledge to fifteen cents. In 1971, New York wanted to levy two cents on every plastic disposable container. The association fought against this regulation for six months until it succeeded in declaring the proposal discriminatory and unconstitutional. The argument of the plastic lobby at the time was that pollution was not the fault of the plastic, but the people who used it and did not dispose of it properly afterwards. This argument has not been withdrawn until today.(vgl. ebd. S.31).


Quellen: Boote Werner; Pretting Gerhard (2014): PLASTIC PLANET-Die dunkle Seite der Kunststoffe, Freiburg: orange press.